Wir leben in einer Zeit, die von großen Herausforderungen und Unsicherheiten geprägt ist, auch im Hinblick auf finanzielle Entscheidungen. Und erst recht im Hinblick auf den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. 

Was heute gepredigt wird, muss schon morgen nicht mehr stimmen. Doch das ist kein neues Phänomen. 

Werfen wir dafür einfach mal einen kurzen Blick in die letzten Jahrzehnte der „Finanzwelt“:

Als ich Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts (upps, aber so ist es … und soo lange ist es auch wieder nicht her, oder?) meinen Einstieg ins Berufsleben mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Sparkasse gestartet habe, war die Welt noch eine völlig andere. 

Jeder Ortsteil hatte eine Filiale, der Filialleiter war natürlich männlich und hoch angesehen. Aktien galten für „Otto-Normalverbraucher“ als exotisch. Der Verkauf von börsennotierten Wertpapieren war die Ausnahme. Kaum jemand hatte überhaupt ein „Depot“, und wenn, dann vielleicht für Bundesschatzbriefe. 

Es war die Zeit der Zinsen auf Sparbüchern, der institutseigenen Sparbriefe, der Prämiensparverträge, der Lebensversicherungen und der Bausparverträge. Super Konzept – vor allem für die Banken- und Versicherungsbranche – muss man wohl im Nachhinein sagen. 

Dann gab es große Kampagnen, um dem „Bürger“ die Börse schmackhaft zu machen. Symbolisch steht dafür bis heute die Telekom-Aktie, sprich der Börsengang im Jahr 1996.

Die sogenannte „Volksaktie“ führte zu Depoteröffnungen und in der Folge auch zum Kauf von institutseigenen aktiv gemanagten Fonds. 

Der Rest ist allerdings Geschichte.

Denn mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 fand die Börsenbegeisterung zunächst mal ein jähes Ende. Die Kurse rauschten in den Keller und sie haben sich auch nur sehr, sehr langsam wieder erholt. Na ja, an der Börse braucht es eben Zeit. 

2008 hat dann die Finanzkrise endgültig zu einer Vertrauenskrise in die gesamte Finanzwelt geführt, und die ist bis heute nicht ausgestanden. 

Eine Folge daraus war die Erfindung von Kryptowährungen.

Eine andere Folge war die Niedrigzinsphase. Vorbei war die „schöne Welt“ des kontinuierlichen Sparens und der automatischen Vermögensmehrung. 

Mangels anderer Alternativen führte das zur Wiederentdeckung des Investierens an der Börse. Die Prämiensparverträge aus alten Tagen wurden nun (wieder) zu Fonds-Sparplänen. 

In den letzten Jahren sind verstärkt auch ETF-Sparpläne auf die Agenda der Anleger gerückt. Hier verzichtet man auf „aktives Fondsmanagement“ und setzt statt dessen auf einen Index nach Wahl. Das spart vor allem die Gebühren, die die sogenannten „aktiv gemanagten“ Fonds erheben.

Und es ist nicht wegzudiskutieren: Die Börse spielt nun auch seit Jahren sehr schön mit. 

Seit der Finanzkrise 2008 kennt sie eigentlich nur eine Richtung: nach oben. (Das gleiche gilt für Immobilienpreise, ebenfalls als Folge der Niedrigzinspolitik.)

Mal abgesehen von einem kurzen Kursverfall zu Beginn der Coronakrise. Doch nie zuvor in der Geschichte hat sich die Börse dermaßen schnell wieder erholt. Und im Jahr 2021 werden regelmäßig Höchststände gemeldet. 

Ziemlich sicher ist allerdings: es wird auch wieder einen „Crash“ geben. Doch niemand weiß wann und in welchem Ausmaß. 

Daher ist der wichtigste Faktor für Börseninvestments: Zeit. Also im Fall der Fälle genug Zeit zu haben, um die Kurserholung „aussitzen“ zu können. Abgesehen davon wäre ein „Crash“ eine Gelegenheit, um zu günstigen Kursen einzusteigen, vorausgesetzt man hat dann die Mittel UND die Nerven dafür.

Nun kann man sagen: ist mir alles zu unsicher. Doch leider ist „nichts zu tun“ auch keine Alternative. Und das aus verschiedenen Gründen, von denen ich nachfolgend drei aufführen möchte, die besonders „pressieren“: 

1. Inflation

Die regelmäßige Berichterstattung zur „kalten Enteignung“ von Sparern aufgrund von (drohender) Inflation zeigt auf, dass „Geld einfach liegen zu lassen“ keine Lösung ist. Ob auf dem Sparbuch oder in der Matratze macht aufgrund der Niedrigzinspolitik inzwischen fast keinen Unterschied mehr. 

2. Altersvorsorge

Daraus resultierend zwingt auch auch das immer wichtiger werdende Thema „private Altersvorsorge“ die Menschen – vor allem Frauen – sich Gedanken über ihren Vermögensaufbau zu machen. Es ist leider Fakt: Altersarmut ist vor allem ein Frauenthema. 

3. Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem atemberaubenden Tempo im Wandel. Auch „Jobsicherheit“ ist ein Thema aus dem letzten Jahrhundert geworden. 

Jeder sollte im Zweifel auch mal ein paar Monate überbrücken können. Ein „Notgroschen“ ist für viele kein „nice-to-have“ mehr, sondern zwingend notwendig, um nachts noch ruhig schlafen zu können. Die Corona-Krise hat diese Entwicklungen noch einmal beschleunigt. 

Doch es hilft natürlich nicht, dass allen nur noch angst und bange wird, sie wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und hoffen, dass schon alles gut gehen wird. 

Das Leben darf nicht (nur) von Geldsorgen bestimmt sein. 

Welche Lösungsansätze gibt es, um frei von finanziellen Sorgen zu werden?

Das lässt sich, wie im Titel aufgezeigt, quasi als „Formel für finanzielle Unabhängigkeit“ auf drei Punkte herunterbrechen:

1. „Mehr rein.“

2. „Weniger raus.“

3. „Vermögen aufbauen.“

Klingt banal? Das ist es keineswegs. Denn jeder dieser drei Schritte setzt voraus, sich aktiv mit dem Thema „Geld“ zu beschäftigen. 

Es wird sich nicht alles irgendwie von alleine richten. 

Mir ist bewusst, dass diese Appelle – besonders an Frauen gerichtet – immer lauter werden. Und nicht nur die einschlägigen Institute „entdecken“ diese „Zielgruppe“ gerade für sich, was übrigens für mich ein untrügliches Zeichen ist, das Thema eigenverantwortlich angehen zu müssen. 

Kommen wir zurück zur „Formel für finanzielle Unabhängigkeit“ und sehen wir uns jeden dieser drei Punkte ein wenig näher an: 

1. Finanzielle Unabhängigkeit durch: „Mehr rein“ – mein absolutes Steckenpferd! 

Damit beginnt alles. Denn zunächst muss man sich natürlich finanziellen Spielraum verschaffen. 

Und im Blog „GEHALTSSPRUNG für „Sie“! müssen wir natürlich mit der – für die meisten – wohl wichtigsten Stellschraube überhaupt beginnen:

Die regelmäßige und aktive Gehaltsverhandlung. 

Alle Statistiken zeigen, dass in diesem Punkt besonders für Frauen definitiv Luft nach oben ist. Ich möchte an dieser Stelle nicht mit Zahlen langweilen. Wer da tiefer einsteigen möchte findet dazu im folgenden Beitrag mehr: Gäähn – equal pay day, gender pay gap… ich kann es nicht mehr hören!?

Doch es geht hier nicht um Statistiken. Von Statistiken kann sich niemand „etwas kaufen“. 

Letztlich geht es immer um die individuelle Verhandlung. Und die Ergebnisse von Gehaltsgesprächen sollten Sie keinesfalls dem Zufall überlassen. Warum es Sinn macht, sich dabei unterstützen zu lassen, finden Sie in folgendem Artikel: Gehaltserhöhung verhandeln.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass im Rahmen der Gehaltsentwicklung nicht nur der Zinseszins-Effekt erbarmungslos zuschlägt.

Auch die Auswirkungen auf die immer noch sehr wichtige Säule „gesetzliche Rente“ sind fatal, wenn es keine regelmäßigen Gehaltsanpassungen gibt. Nur am Rande sei hier erwähnt: Die Ehe ist – spätestens seit der Reformierung der Scheidungsgesetze im Jahr 2008 – zumindest keine sichere Altersvorsorge mehr. Auch ein Grund, warum das Thema Altersarmut vornehmlich „weiblich“ ist.

Allerdings habe ich weiter oben bereits den immer turbulenter werdenden Arbeitsmarkt angesprochen.

Das Modell, sich auf einen Arbeitgeber und damit auf eine Einnahmequelle verlassen zu wollen, scheint ebenfalls für viele keine Alternative oder Lösung mehr zu sein.

Und das nicht nur im Hinblick auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen in Unternehmen, sondern definitiv auch im Hinblick auf die Erwartungshaltung in Bezug auf die eigene Jobzufriedenheit. 

Das Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ genügt vielen Menschen einfach nicht mehr. 

Das könnte auch daran liegen, dass es inzwischen deutlich mehr Möglichkeiten gibt, andere bzw. weitere „Einkommensströme“ zu generieren. Auf eine Möglichkeit möchte ich nachfolgend speziell eingehen, da ich hier in den letzten Jahren sehr viel beobachtet habe: 

Eine viel propagierte Lösung in der „schönen neuen Welt“ lautet: 

Raus aus der „Zeit-gegen-Geld-Falle“. 

Am besten sollte man „passives Einkommen“ generieren, vornehmlich mit Hilfe des Internets. Das Prinzip lautet dabei: Schau, was dir Spaß macht und worin du gut bist. Dieses Wissen einmal digitalisiert, könnte dann „ganz von selbst“ über Jahre Einkommen generieren. 

Die Möglichkeiten sind hier vielfältig. Sie reichen von Empfehlungsmarketing, über das Anbieten von Online-Kursen bis hin zum Selfpublishing von Büchern, um nur einige zu nennen. 

Es gibt zahlreiche Chancen, von denen man noch vor einigen Jahren nur hätte träumen können! 

Doch möchte ich an dieser Stelle die gute Stimmung ein wenig trüben und behaupten, dass es alles andere als ein Selbstläufer ist, dieses Wissen auch tatsächlich vermarktet zu bekommen. 

Inzwischen ist daraus ein regelrechter Hype entstanden und meinem Eindruck nach ist derzeit das lukrativste Modell, anderen beibringen zu wollen, wie das funktioniert. Hochpreis-Coachings zum Generieren von „passivem Einkommen“ jeglicher Couleur schießen wie Pilze aus dem Boden. 

Ich möchte diese Programme nicht beurteilen, verurteilen oder gar behaupten: „alles Quatsch“. Es wird sicherlich hochkarätige Formate geben, die wirklich weiterhelfen können. 

Aber es gibt sicher auch sehr viele Angebote, die eher „schnell arm“ als „schnell reich“ machen. Da sind mir schon beeindruckend einfallsreiche Marketingkonzepte begegnet. 

Man sollte definitiv aufpassen, dass die alte Regel „Gier frisst Hirn“ nicht gandenlos zuschlägt. 

Doch wenn man davon ausgeht, dass die Erzielung von „passivem Einkommen“ immer und ohne Ausnahme auch „Arbeit“ bedeutet, ist es durchaus empfehlenswert, sich mit diesen Möglichkeiten zu beschäftigen und sie bezogen auf die jeweilige individuelle Situation einfach mal auszuloten.

Es muss auch nicht immer in Richtung „passives Einkommen“ gehen.

Es spricht absolut nichts dagegen, Wissen, das hilft, die Probleme anderer Menschen zu lösen, auch mit Hilfe des Internets anzubieten und zu vermarkten.

So wie ich es zum Beispiel mit meinen 1:1-Gehaltscoachings mache, die ich ortsunabhängig und zeitlich flexibel per Video-Call anbiete. 

Zumindest zu Beginn braucht man dafür keine teure Infrastruktur, wie zum Beispiel eigene Büroräume. Was auch ein schöner Übergang ist zur zweiten Säule der Formel für finanzielle Unabhängigkeit:

2. Finanzielle Unabhängigkeit durch: „Weniger raus“.

Die „Idee“, weniger auszugeben als man einnimmt, um finanziell unabhängig zu werden, ist natürlich keineswegs neu. 

Doch zwischenzeitlich gibt es dazu ganze Konzepte. Auch wenn es häufig nur „alter Wein in neuen Schläuchen“ ist, sind die Schlagzeilen definitiv interessanter geworden, wie zum Beispiel:  

Minimalismus: Weniger ist mehr.“

„Rente mit 40 durch Frugalismus.“

„Mehr Glück durch weniger Konsum.“ 

Und so weiter. Die Liste könnte endlos fortgeführt werden.

Zusammenfassend lautet das durchaus sympathische Motto: 

„Statt kann ich mir nicht leisten, will ich mir nicht leisten“.

Ob man darin vielleicht sogar einen völlig neuen Lebensstil für sich entdecken könnte, ist wie immer eine Frage der eigenen Werte und der Haltung. Wer sich damit beschäftigen möchte, wird bei Google mehr als fündig. 

Das soll hier keine Abhandlung über die fatalen Auswirkungen unserer Konsumgesellschaft werden. Doch ich denke, viele Menschen machen sich zwischenzeitlich Gedanken darüber, dass es wohl an der Zeit ist, die eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und umzudenken. 

Die Differenz zwischen „mehr rein“ und „weniger raus“ führt schon nach Adam Riese zu mehr finanziellem Spielraum. Und der kann genutzt werden für die dritte Säule zur Formel für finanzielle Unabhängigkeit:

3. Finanzielle Unabhängigkeit durch: „Vermögen aufbauen“

Während die Säule „weniger raus“ dazu anregen soll, weniger Geld auszugeben für Dinge, die wir (eigentlich) nicht brauchen, geht es bei der Säule „Vermögen aufbauen“ um Investitionen. 

Ein Invest zeichnet sich dadurch aus, dass es Rendite erwirtschaftet bzw. zumindest erwirtschaften könnte. Zum Beispiel in Form von Wertsteigerungen, Mieten, Dividenden, Zinsen oder natürlich auch mehr GEHALT!

Was zählt somit zu „Vermögen“? 

Unterschieden wird für gewöhnlich nach 

  • Sachvermögen, wie z. B. Immobilien, Aktien, Gold aber auch Schutzrechte und Patente;
  • Geldvermögen, wie z. B. Bargeld, Bankguthaben oder auch Forderungen;
  • Kenntnisse und Fähigkeiten, die helfen, Einkommen zu erzielen. 

Das ist ein breites Spektrum und eine gängige Empfehlung zum Thema „Vermögen aufbauen“ lautet:

„Niemals alle Eier in einen Korb zu legen.“

Sich möglichst breit aufzustellen nennt man auch Risikostreuung. Die Märkte, wie die Börse oder auch der Immobilienmarkt unterliegen Schwankungen. Investitionen sind hier eher mittel- bis langfristig zu betrachten. 

Das macht allerdings den Ausbau von „eigenen Kenntnissen und Fähigkeiten“ noch mal deutlich attraktiver. Man hat es ein Stück weit SELBST in der Hand und bestenfalls machen diese Investitionen auch am meisten Spaß.

Benjamin Franklin wird der Satz zugeschrieben: „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen“. 

Das würde ich heutzutage allerdings nur noch bedingt unterschreiben. Denn Wissen steht uns, anders als zu Franklins Zeiten, auf Knopfdruck zur Verfügung. 

Dennoch kann der Ausbau von eigenen Kenntnissen und Fähigkeiten natürlich noch immer dazu führen „Vermögen aufzubauen“. Doch ich schreibe hier bewusst „kann“, denn die Voraussetzung dafür ist, dass man sein Wissen auch gut, ja, sagen wir mal: „verkauft bekommt“. 

Und dieser Hinweis gilt – wieder einmal – besonders für Frauen. Frauen sind hochqualifiziert und häufig mit besseren Studienabschlüssen als Männer im Berufsleben angekommen. Von Gleichberechtigung sind wir im beruflichen Kontext allerdings noch immer weit entfernt, und das keineswegs nur in Bezug auf den viel zitierten Gender Pay Gap.

Dennoch möchte ich diesen Artikel an dieser Stelle beenden mit der Devise:  

Neugierig zu blieben, Neues zu lernen und die eigene Kreativität immer wieder herauszufordern gibt dem Leben Sinn und macht unabhängig – bestenfalls auch finanziell. 

Klingt banal, oder doch nicht? 🙂

 

 

Dieser Artikel ist übrigens mein Beitrag zur diesjährigen Blogparade von Sara Menzel-Berger unter dem Motto: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“ 

Eine „Blogparade“ lebt von der Vielfalt und Phantasie der sich daran beteiligenden Blogger. Und nun bin ich sehr gespannt, was den anderen so eingefallen ist:

https://technikelfe.com/blogaparade-wir-machen-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt/?

 

 

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