Die Septemberausgabe 2019 der „brand eins“ beschäftigt sich erstmalig seit ihrem Erscheinen vor 20 Jahren mit dem Schwerpunkt GEHALT. Das ist wenig erstaunlich, denn es lässt sich nicht mehr wegdiskutieren, dass wir in Zeiten des Umbruchs leben.

„New Work“ ist dabei nur eines der Buzzwords, die immer häufiger fallen. Vieles in unserem Wirtschafts- und Arbeitsleben wird unweigerlich auf den Prüfstand kommen. Allerdings weiß niemand, wie sich das genau gestalten wird.

Und zahlreiche fundamentale Fragen sind (noch) nicht beantwortet. Das gilt auch im Hinblick darauf, wie die Vergütungsstrukturen eigentlich aussehen werden oder könnten. 

Daher war ich sehr gespannt auf die „brand eins-September-2019-Ausgabe“. Im Inhaltsverzeichnis finden sich Beiträge und Interviews aus verschiedensten Perspektiven. Das geht vom „Sinngehalt – Die Mischung aus materiellen und moralischem Lohn ist explosiv.“ bis hin zu „Wovon leben wir morgen?“. 

Während der Lektüre habe ich einige Kernaussagen aus den verschiedenen Beiträgen zunächst nur für mich markiert und hieraus ist eine interessante Liste mit 12 Denkanstößen und Erkenntnissen entstanden, die ich hier einfach mal teilen möchte:

1. „Geld, der Lohn für die Arbeit, ist ein Universaltauschmittel. Es repräsentiert nicht nur Wertschöpfung, sondern zweitens auch Wertschätzung, Respekt, persönliche und soziale Anerkennung, das moralische Gehalt.“ 

2. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ (Soren Kierkegaard)

3. „Viele nehmen sich besser als der Durchschnitt wahr.“  (…) Das ändert sich nur, wenn man genauer hinsieht, was andere tun – den Zusammenhang erkennt, was die Tätigkeiten für das Ganze, die Organisation an Sinn stiften und wohin sie führen. Dann werden positive Unterschiede, mehr Geld für besondere Leistung, durchaus auch von jenen akzeptiert, die weniger erhalten. Umgekehrt gilt: „Wenn andere schlecht behandelt werden, dann sinkt generell die Arbeitsmoral“, sagt Matthias Sutter. 

4. „Am Anfang stand Adam Smiths berühmtes Grundgesetz des Industriekapitalismus, das 1776 erschienene Buch „Der Wohlstand der Nationen“. Dort beschreibt Smith das, was uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist: dass der Mensch vom Lohn seiner Arbeit leben muss.“

5. „Wissensarbeiter besitzen die Produktionsmittel“, schreibt Peter Drucker: „Das Wissen zwischen ihren Ohren ist ein gewaltiges und vollkommen portables Kapitalvermögen.“

6. „Das wichtigste Kriterium fürs Gehalt ist die Frage: Je austauschbarer jemand ist, desto weniger verdient er.“ Es gelte, Differenz auszubilden, sagt Reinhard K. Sprenger, klarzumachen, dass man sich unterscheiden soll – was ja keineswegs bedeutet, dass man „gegen die Mannschaft spielt“. Der Einzelne ist das initiative Element, die Organisation das tragende Element.“

7. „Gehaltsgleichheit gab es de facto nie. Es zählt, in welcher Stadt man lebt, in welchem Teil des Landes, in welcher Branche man ist, ob das Gehalt subventioniert wird oder, ganz wichtig, ob man die Gnade des richtigen Geburtsjahrgangs erfahren hat. Wer das Pech hatte, in den frühen Dreißigerjahren auf den Arbeitsmarkt zu kommen, geriet in die Wirtschaftskrise, wer der Generation Y oder Z angehört, findet heute in den meisten Branchen weit mehr materielle und moralische Gehaltsmöglichkeiten als die Generationen zuvor. Gerecht? Nein. Glück gehabt.“

8. „Wer sich darüber im Klaren ist, dass er das Produktionsmittel zwischen den Ohren hat, wird sich auch nicht mehr damit zufriedengeben, sein Können in Organisationen einzuspeisen, in denen die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut.“

9. „Die einzige Gehaltsorientierung ist man letztlich selbst. Was man braucht und worauf man verzichten kann, das sind Entscheidungen, die erwachsene Menschen treffen. Auch wenn vieles von dem, was die Generation Z an Forderungen im Job hat, als Überspannung wahrgenommen wird, die Richtung – ich bestimme, was ich brauche – stimmt.“ 

10. „Man muss sehen: Wer besonders engagiert bei der Arbeit ist, wird dafür oft schlechter entlohnt – der freiwillige Einsatz, so wurde gerade durch eine Studie untermauert, gilt Führungskräften oft als Legitimation, Mitarbeitende auszunutzen. Das ist auch das Kernproblem der Helferberufe, die schlecht bezahlt werden.“

11. Gehalt in Zahlen:

a) Knapp die Hälfte der Beschäftigten unterliegen keiner Branchentarifbindung (Anmerkung: haben also Verhandlungsspielraum!).

b) In Deutschland verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen 92 Euro am Tag – 22 Euro weniger als Männer.

Zu diesem Punkt, dem vielzitierten Gender Pay Gap gibt es online ein gesondertes Interview mit interaktiver Karte unter folgendem Link: 

https://www.brandeins.de/zugabe/karten/lohnluecke-pay-gap-mind-the-gap

12. „Studien zufolge vergrößert mehr (Entgelt-)Transparenz den Pay-Gap – weil Männer das zusätzliche Wissen beim Verhandeln besser und öfter nutzen.
Hinzu kommt, dass Frauen solche Verhandlungen noch weniger geheuer sind als Männern. Glaubt zumindest eine Freundin, die in einer Führungsposition mitbestimmt:
Männer stünden bei ihr mindestens einmal im Jahr mit Forderungen auf der Matte, Frauen alle drei oder vier Jahre. Studien kommen zu dem gleichen Ergebnis. Außerdem gibt es noch etliche Chefs, bei denen es nicht so gut ankommt, wenn Frauen genauso hart wir ihre männlichen Kollegen um das Gehalt feilschen. Aufs Geld zu achten passt wohl noch immer nicht recht in unser Bild von Weiblichkeit.“ 

Das waren meine 12 Take-aways aus der „brand eins“, Ausgabe September 2019 zum Schwerpunkt Gehalt. 

Das ganze Magazin auf 12 Kernaussagen zusammendampfen? Selbstredend kann das nicht die gesamte Lektüre ersetzen, aber durchaus Denkanstöße liefern, um das Thema einmal zu reflektieren. Was erwartet man persönlich in den nächsten Jahren von seinem beruflichen Umfeld in Bezug auf die eigene Karriere, sich bietende Chancen und die damit zusammenhängende Einkommenssituation?

Viele der aufgeführten Aspekte sind bereits in anderen Beiträgen in diesem Blog thematisiert worden. Das gilt besonders für die Punkte 10 – 12. Wer mag, kann daher gerne hier weiterlesen: 

Vertrackte Situation: Frauen in Gehaltsverhandlungen. Wo liegt denn nun die Lösung? 

 

 

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