Im Arbeitsalltag müssen Frauen und Männer miteinander „klarkommen“. Und es ist besonders für Frauen sehr hilfreich, sich mit den Spielregeln dieser unterschiedlichen „Sprachen“ bzw. „Welten“ zu beschäftigen und „Machtspielchen“ zu erkennen.

Der Unternehmensberater Dr. Peter Modler hat sich auf „Arroganz-Trainings®“ für Frauen im Beruf spezialisert und einige sehr empfehlenswerte Bücher darüber geschrieben. 

Er bezieht sich auf die Arbeit der Soziolinguistin Deborah Tannen und erläutert in seinen Büchern zwei Systeme:

Die Mehrzahl der Männer kommuniziert von klein auf in einem vertikalen System. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass zunächst mal Rang und Revier geklärt werden müssen, bevor man überhaupt anfangen kann zu arbeiten. Vieles läuft hier nonverbal, beispielsweise durch Gesten und Statussymbole.

Diese Welt ist Frauen häufig völlig fremd. Sie fühlen sich meistens wohl in einem horizontalen System, was gekennzeichnet ist durch „Zugehörigkeit, Ausgleich und Inhalte“. Sie finden diese „männlichen Machtspielchen“ völlig überflüssig und begehen zudem häufig den Fehler, privat gelernte Rollen auch in den Berufsalltag zu übertragen.

Die beiden Systeme ticken einfach völlig unterschiedlich und es lohnt sich nicht, Wertungen vorzunehmen. 

In seinen anschaulichen Büchern zeigt er mit sehr vielen Beispielen, in welche selbstgestellten Fallen Frauen in häufig männlich dominierten Systemen „tappen“, wenn sie diese grundsätzlichen Regeln nicht kennen oder missachten. 

Sein Fazit: Zuallererst muss „Frau“ dafür sorgen, überhaupt „gesehen“ und „ernst“ genommen zu werden.

Zum Thema Gehaltsverhandlungen nun nachfolgend ein Beispiel aus dem Buch „Die Manipulationsfalle (Fischer Taschenbuch 2017)“ von Dr. Peter Modler:

„Und nun kam Frau Rastow zu mir und fragte, ob ich meinte, dass sie nun, nach drei Jahren Höchstleistung, mit ihren Chefs einmal über das Thema Gehalt sprechen könnte. Ich musste nachfragen: Ob sie denn in diesen Jahren nie darüber geredet hätte? Nein, eine gute Gelegenheit hätte sich einfach nicht ergeben. Aber ihre Vorgesetzten wüssten ja, wie gut sie wäre. 

Ich frage nochmals nach: Woher die das wussten? Hätte sie mit ihnen über ihre Leistung gesprochen? Frau Rastow lächelte. Nein, explizit geredet, das nicht. Aber in jeder schriftlichen Quartalsauswertung könnte man ja sehen, wo die schwarzen Zahlen stünden – nur bei ihr. Bei ihren Kollegen hingegen häuften sich die Verluste. Ich fragte noch einmal: Ob das hieße, dass sie mit ihren Chefs nie ausdrücklich ihre exzellten Leistung gesprochen hätte?

Ja, meinte sie, das wäre so gewesen, aber lesen könnten die ja auch. Da musste ich Frau Rastow enttäuschen. Bei solchen Themen können viele Chefs leider nicht lesen. Und darum musste ich Frau Rastow einen Rat geben, der ihr überhaupt nicht gefiel.

Solange sie nämlich nicht in eigener Sache Reklame gemacht hat, und zwar gegenüber ihren direkten Vorgesetzten, ausdrücklich, mündlich!, solange hatte es keinen großen Sinn, über mehr Gehalt zu sprechen. Also hieß es jetzt für Frau Rastow, sich in den nächsten Monaten selbst zu rühmen. Danach konnte sie auch über mehr Geld reden. (Objektiv hat sie das mit ihrer Leistung natürlich mehr als verdient.)

Eine Gehaltserhöhung ist bei weiblichen ebenso wie bei männlichen Führungskräften in sehr vielen Fällen keine Frage von objektiver, schweigend zustandegekommener Gerechtigkeit, sondern von Aushandeln. Es ist ein selbstverständlicher professioneller Akt. 

In einem vertikalen Kommunikationssystem gilt es nämlich überhaupt nicht als ehrenrührig, eigene Erfolge deutlich herauszustellen. Das wird gerade erwartet. Wer das nicht tut, so vermuten viele männliche Chefs, hat wohl auch keinen Grund, sich zu rühmen. Es gilt dabei oft bereits als gewisse Qualifikation, dass man das Thema Geld überhaupt selbstbewusst anspricht. Wer das nie von sich aus tut, bekommt oft nichts, auch wenn es genug Gründe dafür geben würde. 

Die angemessene Darstellung der eigenen Leistung ist übrigens nicht in erster Linie eine Sache für offiziell vereinbarte Termine im Sinn von „Wir müssen da mal etwas besprechen“. Viel wirkungsvoller ist es oft, wenn man diese Pflicht der Eigen-PR bei informellen Anlässen erledigt – in der Kantine beim Mittagessen, bei einer Fortbildung abends in der Hotellobby. Unhöflich ist das gar nicht. Denn auch so ein Essen oder eine Hotellobby stehen zu jeder Zeit im selben beruflichen Zusammenhang wie ein Büroflur, das sind keine privaten Räume. Dort über die eigenen Großtaten zu sprechen, ist überhaupt nicht deplatziert.“

Welche „Gelegenheiten“ fallen Ihnen ein, die Sie nutzen könnten für die PR in eigener Sache? Denn auch das gehört zur Vorbereitung Ihrer Gehaltsverhandlungen dazu. 

Lesen Sie dazu auch den Blogartikel: Gehaltsverhandlungen und Stereotype: Was scheint „typisch Frau“ und „typisch Mann“ zu sein?

Fangen Sie am besten sofort an, sich regelmäßig zu notieren, was Sie „geleistet“ haben. Lesen Sie dazu gerne auch: Macht es Sinn ein „Leistungstagebuch“ zu führen? Wenn Sie mögen, können Sie auch meinen Newsletter abonnieren (die Eintragungsfelder dafür finden Sie unten) und Sie erhalten als kleines Dankeschön eine pdf-Vorlage.

 

 

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