Sie haben erfahren, dass Kollegen in vergleichbaren Positionen mehr verdienen.

Sollten Sie das direkt ansprechen?

Darauf gibt es leider keine pauschale Antwort. Es ist – wie immer – kontextabhängig. 

Doch sicher ist: Ärger und Neid sind fehl am Platz. 

Es gibt vielleicht auch Kollegen, die besser nicht wüssten, was Sie verdienen, oder?

In vielen Unternehmen sind die Gehaltsstrukturen intransparent, das heißt, die Kollegen kennen die Gehälter untereinander nicht. Somit kann solch eine Information ein Glücksfall sein – GELD wert sein.

Denn nun wissen Sie, es gibt Spielraum. 

Das verschafft Sicherheit für die Verhandlung und gute Anhaltspunkte für die eigenen Verhandlungsziele. 

Wie kann oder sollte man diese Information verwenden?

In dem Zusammenhang sollte man folgende Fragen klären: 

1. Frage:

Woher hat man die Info? Kann man die Information, dass Kollegen mehr verdienen, „gefahrlos“ verwenden?

Das ist sehr vom Unternehmen und den jeweilig herrschenden Gepflogenheiten abhängig.

Und die erste Prämisse lautet: Kein Vertrauen verspielen und niemanden „in die Pfanne hauen“, weil er Informationen „ausgeplaudert“ hat. Davon ist abzuraten, wenn man noch länger in dem Unternehmen bleiben möchte.

Denn: Nach der Verhandlung ist immer auch vor der Verhandlung. 

Auch wenn Sie arbeitsrechtlich wohl nicht belangt werden können, wenn Sie sich mit den Kollegen über Gehälter austauschen und entsprechende Klauseln im Arbeitsvertrag wahrscheinlich nichtig sind, sollten Sie die ungeschriebenen Gesetze bei Ihnen vor Ort tunlichst nicht ignorieren.

Doch nicht immer ist diese Rücksichtnahme auch förderlich. Es kann durchaus auch Unternehmen und/oder Situationen geben, in denen man die Karten auf den Tisch legen und klar ansprechen sollte, dass man „sich nicht (länger) für dumm verkaufen lässt“. Dann sollten Sie auch klar formulieren können, was Sie warum erwarten.

„Risikolos“ wäre dieses Vorgehen allerdings wohl nur dann, wenn Sie über attraktive Alternativen verfügen, auf die Sie auch wirklich bereit wären zurückzugreifen, wenn diese „Offensive“ ins Leere läuft. Das heißt, wenn Sie feststellen müssen, dass Sie Ihre Forderungen nicht durchbringen können und damit auch die Basis für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit gefährdet haben.

Etwas ganz anderes ist es, wenn auch die genehmigende Seite weiß, dass Sie Zugang zu den Informationen haben. Also wenn Sie beispielsweise „offiziell“ Einblick in die Gehälter, Budgets oder Vereinbarungen haben. 

Wie könnte man es direkt ansprechen, dass man es – nach entsprechender Reflexion – unangemessen findet, dass Kollegen mehr verdienen?

Eines der machtvollsten Instrumente ist es, zu betonen, dass man nur um das bittet, was fair ist:

„Ich bin sicher, dass ich im „richtigen“ Unternehmen arbeite. Doch auch die Vergütung muss stimmen. Ich möchte das gute Gefühl haben, angemessen und fair – auch im Vergleich zu den Leistungen meiner Kollegen – bezahlt zu werden.

Kann ich das in diesem Unternehmen erwarten? 

Wie würden Sie das an meiner Stelle sehen?

Was würden Sie für angemessen halten?“

Man sollte sich im Vorfeld auch fragen, welche Antwort man auf diese Fragen erwarten könnte und sich in Bezug auf die eigene Reaktion entsprechend vorbereiten. Die tatsächliche Antwort lässt dann sicherlich auch Rückschlüsse zu, ob man wirklich im „richtigen“ Unternehmen ist.

2. Frage:

Sind die Positionen wirklich vergleichbar? Das ist wohl nur sehr selten der Fall.

Es geht nicht nur um die Vergleichbarkeit von Positionen im Organigramm.

Qualifikation, Erfahrung sowie die beim Einstieg individuell verhandelten Konditionen, Betriebszugehörigkeit und die damit verbundene Gehaltsenwicklung sind zu berücksichtigen. 

Und natürlich die individuellen Leistungen. 

Die bessere Überlegung könnte daher sein: 


Kann man die Information, dass Kollegen mehr verdienen, nutzen, ohne sich auf dieses „Wissen“ im Gespräch zu berufen?

Man weiß nun, dass mehr „drin“ wäre. Damit kann man das eigene Minimalziel definieren. Dort, wo Gehälter frei verhandelbar sind, sind Gehaltsverhandlungen keine Bedrohung, sondern eine großartige Chance, die eigenen Leistungen darzustellen. 

Die Frage ist auch immer: Wie sichtbar sind Ihre Leistungen für die, die über Ihr Gehalt entscheiden?

Es ist wichtig, regelmäßig aktiv das Gespräch zu suchen und „unerbittlich freundlich“ die eigenen Ziele zu verfolgen. 

Und wer sagt, dass der Maßstab dafür das Gehalt eines Kollegen ist?
Für die individuellen Ziele muss das nicht relevant sein. Sie könnten doch auch höher liegen? 

Sie könnten beispielsweise höher liegen, wenn Ihre Recherchen ergeben, dass Sie bislang nicht „marktüblich“ bezahlt werden. Hier lohnt sich auch immer ein Blick über den Tellerrand und regelmäßige Recherche.

80 % einer Verhandlung liegen in der Vorbereitung: 

„Wer an der Vorbereitung scheitert, bereitet das Scheitern vor.“ 

Es geht darum, sich im Vorfeld mit den eigenen Interessen und denen der anderen Seite zu beschäftigen, gute Argumente zu erarbeiten, den richtigen Verhandlungszeitpunkt zu finden, seine Ziele zu definieren und im besten Fall auch immer an den eigenen Alternativen zu arbeiten. 

Die Krux ist, dass besonders Frauen es häufig unangenehm finden, „in eigener Sache“ zu verhandeln. Und das hat viele auch tief gesellschaftlich verankerte Gründe. Wer mag, kann dazu hier weiterlesen: Vertrackte Situation: Frauen in Gehaltsverhandlungen. Wo liegt denn nun die Lösung?

Die Lösung liegt nicht darin, das Thema zu verdrängen, einen guten Job zu machen und zu hoffen, dass Vorgesetzte dann freiwillig, anerkennend und wertschätzend auf die Mitarbeiter*innen zukommen und die guten Leistungen auch fair und angemessen entlohnen.

Das ist in den meisten Fällen, man ahnt es schon, nur eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt und in Frustration endet. 

Daher ist es wichtig, sich das – besonders als Frau – klarzumachen und weiter an den eigenen Verhandlungskompetenzen zu arbeiten. 

Verhandeln ist auch Übungssache. Mehr dazu gibt es in diesem Artikel: 

Gehalt verhandeln ist wie Auto fahren – man muss es lernen. Hier geht es um die vier Stufen des Kompetenzerwerbs sowie fünf „beliebte“ Verhandlungsmythen. 

Viel Spaß und Erfolg beim Ausbau Ihrer Verhandlungskompetenzen!

Und hier nochmal die wichtigsten Aussagen in der Zusammenfassung:

 

 

 

 

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