Wer ist Anna?

 

Anna ist 31 Jahre alt und arbeitet in einem mittelständischen sehr technikaffinen Unternehmen. Das Unternehmen hat den Markt verstanden und läuft gut. Umsatz und Mitarbeiter steigen kontinuierlich. Und das Jahresgespräch steht vor der Tür.

Dass sich alles gut entwickelt hat, freut sie sehr. Das Unternehmen war wesentlich kleiner, als sie vor fünf Jahren dort angefangen hat zu arbeiten. Es war genau die richtige Entscheidung. Sie hatte ihren „Master“ in der Tasche und hat sich im Anschluss daran auch noch ein bisschen in der Welt umgesehen. Für ihren Einstieg ins Arbeitsleben hätte sie sich keine riesigen Konzernstrukturen vorstellen können.

Zwischenzeitlich ist sie ein fester Bestandteil im Unternehmensgefüge. Die Kollegen fragen sie gerne um Rat. Sie kennt das Unternehmen, die Prozesse, die Zuständigkeiten und weiß, wen sie wann einbinden muss.

Anna hat viel Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit, man vertraut ihr. Und das ist ihr sehr wichtig. Auch das Klima im Team stimmt. Trotz des Wachstums herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Man arbeitet an einem gemeinsamen Ziel und freut sich zusammen über den Erfolg.

Obwohl eigentlich immer viel zu tun ist, kann sie jedes Jahr ihren stets sorgfältig geplanten Urlaub antreten.

Sie arbeitet wirklich gerne und viel, aber das Reisen ist ihre große Leidenschaft. In der Zeit, in der sie sich auf fremde Länder und Kulturen einlässt, ist sie offline. Das wird von allen akzeptiert.

Und wenn sie zurückkommt, versichern ihr alle, dass das auch wirklich „Zeit wird“. Es ist ein gutes Gefühl:

Also alles gut! Traumjob und Traumkonditionen!

Doch Stopp: Traumkonditionen! Wirklich?

 

Zu Beginn ihrer Tätigkeit für das Unternehmen hat sie ein für ihr Empfinden sehr faires Angebot erhalten. Seitdem gab es zwei Gehaltserhöhungen, die ungefähr der Inflationsrate entsprachen.

Von „Gehaltssprüngen“ konnte bislang jedoch keine Rede sein.

Doch sie hat das auch nie wirklich verhandelt. Es wurde ihr einfach angeboten, und sie hat das dankbar akzeptiert.

Grundsätzlich ist sie eine selbstbewusste Frau, aber das „Verhandeln in eigener Sache“ ist nicht so ihr Ding.

 

Frauen und Verhandlungen

 

Nun steht Anna kurz vor ihrem Jahresgespräch und es ist an der Zeit, die Situation einmal zu reflektieren. Denn im Rahmen dieses Gespräches wird auch die Gehaltsfrage abgestimmt.

Es stellt sich also die drängende Frage: Wo möchte sie hin? Was ist ihr wichtig?

Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ihr sehr wichtig. Sie ist grundsätzlich ein geselliger Mensch, und wenn Zeit bleibt, freut sie sich auf Aktivitäten mit ihren Freunden. Doch auch die eigene Wohnung ist ihr heilig. Zeit ist ein knappes Gut, aber sie braucht diese auch mal für sich alleine. Daher dürfte die Wohnung auch gerne ein bisschen größer sein…

Anna fängt an, darüber nachzudenken, ob sie dieses Mal vielleicht nicht einfach akzeptieren sollte, was man ihr anbietet? Sie hat nie darüber nachgedacht, was eine gute Verhandlung ausmacht. Es war immer irgendwie „Learning-by-doing“.

Schnell stellt sie fest, dass es sehr ratsam wäre, sich auf ein solches Gespräch gut vorzubereiten. Sie ahnt, dass sie mit diesem Thema endlich proaktiv umgehen muss. Alles andere könnte „sehr teuer“ für sie werden.

 

Vorbereitung auf das Jahresgespräch

 

Also beginnt sie zu recherchieren, wie sie das am besten anstellen könnte. Viele Links im Netz machen ihr eindrücklich klar, dass ihr Verhandlungserfolg zu 80 % von der Vorbereitung abhängt. Und das hat sie schließlich selbst in der Hand.

Mit Hilfe des kostenlosen Leitfadens zur Vorbereitung einer Gehaltsverhandlung beginnt sie ihre Eckdaten einfach mal aufzuschreiben:

  • Ihre persönlichen Zahlen, Daten, Fakten wie Zugehörigkeit, Gehaltsentwicklung etc.
  • Wichtige Eckdaten zum Unternehmen wie Entwicklung, wirtschaftliche Lage etc.
  • Wer genehmigt eigentlich ihr Gehalt und wie sichtbar sind ihre Leistungen für diese Person?
  • Was ist dieser Person besonders wichtig? Welche Werte haben für diese Person einen besonderen Stellenwert? Was kann sie tun, um diese auch in der Verhandlung aufzugreifen?
  • Welche Aufgaben und Projekte hat sie betreut? Welche sind hinzugekommen?
  • Welche Alternativen hätte sie?
  • Und: last but not least, was sind eigentlich ihre Verhandlungsziele?

 

Annas Verhandlungsziele für das anstehende Jahresgespräch

 

Hier wird es besonders spannend. Anna stellt schnell fest, dass sie ein gewisses Budget benötigt, um sich ihre (demnächst größere?) Wohnung und ihre Reisen leisten zu können. Außerdem soll am Ende des Monats auch etwas übrig bleiben.

Doch eigentlich geht es ihr nicht nur ums Geld. Es geht einfach auch um Wertschätzung und Fairness. Sie macht einen guten Job! Sie kennt die Gehälter der Kollegen nicht im Detail, aber sie hat die Vermutung, dass durchaus mehr drin sein könnte…

Als sie vor fünf Jahren im Unternehmen begonnen hat, gab es dort nicht sonderlich viel Spielraum. Das hat sie schon verstanden. Daher hat sie das Angebot zu dem Zeitpunkt als durchaus fair empfunden. Sie war schließlich auch Berufsanfänger.

Aber ihr wurde damals klar gesagt, dass diese Konditionen nicht in Stein gemeißelt seien. Anna wird klar, dass das anstehende Gespräch genau der richtige Zeitpunkt ist, daran zu „erinnern“. Wenn sie es jetzt nicht tut, wird es immer schwieriger werden.

Gute Argumente hat sie. Der Job ist einfach nicht mehr der, der er vor fünf Jahren war. Es wäre auch nicht schlecht, wenn dieses mal „offiziell“ mit einem entsprechenden Titel belohnt würde…

Auch wenn das „Verhandeln in eigener Sache“ bei ihr ein mulmiges Gefühl auslöst, weiß sie, dass sie diesem Gefühl nicht nachgeben darf. Ihre Forderungen sind nicht unangemessen und, es ist einfach so: wer nicht fragt, bekommt auch nichts!

Dieses Mal überlässt sie es nicht dem Zufall. Sie beschließt, dieses so wichtige Gespräch nicht alleine vorzubereiten. Sie macht sich auf die Suche nach einem „neutralen Dritten“, der Strategie, Argumente und Zielsetzung mit ihr erarbeitet.

 

Das Ergebnis: Letztlich hat sie ihre Verhandlungsziele sogar übertreffen können.

Ihre gute Vorbereitung hat bei ihrem Verhandlungspartner wirklich Eindruck gemacht. Sie muss lächeln, wenn sie daran denkt und freut sich schon auf die anstehenden Aufgaben.

 

Für das nächste Gespräch wird sie noch besser vorbereitet sein. Denn sie hat beschlossen, künftig ein „Leistungstagebuch“ zu führen. Mehr dazu in diesem Blogartikel: Macht es Sinn ein „Leistungstagebuch“ zu führen?

Sehr ans Herz legen möchte ich auch folgenden Beitrag: Die Unterscheidung von Interessen und Positionen liefert gute Argumente für die Gehaltsverhandlung. 

 

 

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