„Her mit dem Geld“ ist das fünfte Kapitel des Buches „Feminist Fight Club – Wie Frauen sich am Arbeitsplatz erfolgreich durchboxen“ * von Jessica Bennett.

Auch wenn ich persönlich den Titel „Feminist Fight Club“ nicht sonderlich gelungen finde, ist das Buch eine klare Leseempfehlung! Es beinhaltet sechs große Kapitel mit den Bezeichnungen „Kennt euren Feind“, „Kennt euch selbst“, „Stolperfallen“, „Macht den Mund auf“, „Her mit dem Geld“ und „Was würde Josh tun“.  Auf das Kapitel „Her mit dem Geld“ war ich natürlich besonders gespannt. Da vieles hieraus auch in anderen Blogbeiträgen so oder so ähnlich aufzufinden ist, habe ich beschlossen, für diesen Blogartikel einige Passagen daraus zu zitieren.

Das Buch beginnt mit einer kleinen Geschichte:

„Ich fühle mich automatisch schmutzig, wenn ich um Geld bitte.“ So eine Autorin, die in einem New Yorker Wohnzimmer saß und einer Gruppe Freundinnen erklärte, sie versuche den Mut aufzubringen, einen Redakteur um einen Vertrag zu bitten.  „Ich möchte für mein Schreiben bezahlt werden, aber ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich denke: „Ich bin nur eine miese kleine Autorin“, sagte sie. „Sobald es sich um Geld dreht, fühle ich mich wertlos.“ Die Frau, die das sagte, hätte eine jüngere Version meiner selbst sein können – und doch fand dieses Gespräch nicht im Rahmen meines Fight Clubs statt, sondern bei einer bewusstseinsbildenden Gruppe in den 1970ern. Das Gespräch wurde später in der New York Times wiedergegeben. Hach, wie wenig sich seither geändert hat! (…)

Es ist wie es ist: Verhandlungen sind ätzend. Sie sind schwierig, angsteinflößend, unangenehm, riskant – egal für welches Geschlecht. Manche sind gut darin, wenige Verrückte mögen sogar Gefallen daran finden, doch die meisten, die ich kenne, würden so ziemlich alles andere lieber tun, als nach mehr Geld zu fragen. (Tatsächlich drücken wir uns allzu gern vor Gehaltsverhandlungen und zahlen dafür einen hohen Preis.)

Das Verhandeln als Frau ist noch mal eine ganz andere  Geschichte. (…) Wenns ums Geld geht, bekommen wir auf einmal den Mund nicht mehr auf. (…)  Ich habe meine Gehaltserhöhung bekommen, als ich das erste Mal darum bat. Das Verhandeln fiel mir danach trotzdem kein Stück leichter. Ich tue es einfach ungern. Aber ich habe mittlerweile schon genügend Nachforschungen angestellt, um zu wissen, dass ich es tun muss – und dass einige simple Taktiken gibt, die frau in petto haben sollte. (…)

KEINE AUSREDEN MEHR – Fragen Sie nach mehr Geld

(…) Fragt euch in jedem Fall: Wenn es trotz aller Gegengründe wage – was ist das Schlimmste, das passieren kann?

Lasst mich diese Frage für euch beantworten: Das Schlimmste wäre, dass eure Chefin oder euer Chef Nein sagt. Und was sollt ihr tun, wenn eure Chefin oder euer Chef Nein sagt? Dann gibt es drei Möglichkeiten: 1. Ihr sagt, Ihr seid enttschäuscht, fragt, was ihr besser machen könnt, erstellt einen Plan und fragt in sechs Monaten noch mal nach.  2. Ihr könnt Letzteres tun und zeitgleich nach einem neuen Job Ausschau halten. 3. Oder Ihr könnt kündigen.  Was ihr auch tut, nichts davon bedeutet das Ende der Welt. Also: Schluss mit Ausreden! (…)

FRAUEN FRAGEN NICHT nach mehr Geld 

Jepp: Angehörige des weiblichen Geschlechts bitten nur ein Viertel so häufig um eine Gehaltsverhandlung  wie Männer… Untersuchungen beweisen, dass Angestellte, die Gehaltsverhandlungen führen, durchschnittlich siebzehn Monate früher befördert werden als diejenigen, die es nicht tun (…)

Zu den Gründen lesen Sie auch den Blogbeitrag: „Women don´t ask“ – Frauen fragen nicht!

VORSICHT, BLUFF

(…) Frauern werden in Verhandlungsgesprächen öfter belogen als Männer – von Frauen wie Männern. Es fallen Sätze wie: „Wir haben momentan einfach nicht den finanziellen Spielraum.“ Oder auch: „Das ist gerade ein sehr ungünstiger Zeitpunkt“ – wenn der Zeitpunkt in Wahrheit genauso gut oder schlecht ist wie jeder andere. Interessanterweise lügen Frauen und Männer ungefähr gleich häufig. Studien zufolge lügen Frauen jedoch eher, um die Gefühle anderer zu schonen, während Männer Unwahrheiten gebrauchen, um Geld zu sparen, Streit zu gewinnen oder das zu bekommen, was sie wollen. (…)  Hört genau hin: Was klingt irgendwie merkwürdig? Seid bereit, Aussagen (respektvoll) infrage zu stellen, wenn sie euch suspekt vorkommen.  (…)

VERHANDLUNGSTRICKS FÜR FRAUEN

Sagt „wir“ statt „ich“

Verhandeln Frauen in eigener Sache, so werden sie oft als „aufdringlich“ abgetan. Deutlicher erfolgreich gehen aus Verhandlungen hervor, wenn sie im Namen anderer agieren – weil sie dann nicht für eigennützig gehalten werden. Wie ihr den „Im-Namen-anderer“-Sympathiebonus kriegt, wenn ihr für euch selbst verhandelt? Ersetzt ganz einfach „ich“ durch „wir“ („Wir waren sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen dieses Jahr“), und fügt ganz lässig euren persönlichen Beitrag ein.(…)

Lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag: „Vertrackte“ Situation: Frauen in Gehaltsverhandlungen. Wo liegt denn nun die Lösung?

Lasst es nach gemeinsamer Arbeit klingen

Hier geht es nicht um vorenthaltene Anerkennung eurer Leistungen, sondern darum, dass ihr euch als Teil eines Teams versteht. Ihr arbeitet gemeinsam an einer beidseitig vorteilhaften Vereinbarung. Erinnert euer Gegenüber daran, dass ihr auf der gleichen Seite seid.(…)

Rechtfertigt eure Bitte nach mehr Geld

Männer müssen ihren Wunsch nach einer Gehaltserhöhung nicht als Empfehlung anderer präsentieren, um Erfolge verbuchen zu können. Bei Frauen sieht es hingegen oftmals anders aus. Eine Möglichkeit wäre: „Meine Vorgesetzte meinte, ich soll mit Ihnen reden…“. Noch besser: Betont, dass genau dieses Verhandeln einen beruflichen Vorzug darstellt. (Beispiel: „Ich weiß, das Sie geschicktes Verhandeln von mir erwarten, da meine Arbeit ja gerade aus dem Verhandeln mit Kunden besteht…“)

Dazu mehr im Beitrag: Gehaltsverhandlungen und Stereotype: Was scheint „typisch Frau“ und „typisch Mann“ zu sein?

Fangen Sie am besten sofort an, sich regelmäßig zu notieren, was Sie „geleistet“ haben. Lesen Sie dazu gerne auch: Macht es Sinn ein „Leistungstagebuch“ zu führen? Wenn Sie mögen, können Sie auch meinen Newsletter abonnieren (die Eintragungsfelder dafür finden Sie unten) und Sie erhalten als kleines Dankeschön eine pdf-Vorlage.

Appelliert ans Ego

Bitte eure/n Vorgesetze/n um Rat. Eines steht fest: Die meisten hören sich selbst gerne reden… zumindest ein bisschen. Außerdem schafft ihr es auf diese Weise womöglich, das Blatt zu wenden, denn so bringt ihr eure Chefin oder euren Chef dazu, emotional Anteil zu nehmen und auf ein gutes Ergebnis für euch zu hoffen. 

Lächelt

Frauen sollten nicht zum Dauergrinsen verpflichtet sein, aber weil ich euch keine Informationen vorenthalten möchte: Im Rahmen eines Experiments sollten Frauen und Männer mit denselben Worten um eine Gehaltserhöhung bitten. Dabei fand die Professorin Linda Babcock heruas, dass die weiblichen Studienteilnehmer als aggressiv gebrandmarkt wurden – es sei denn, sie schenkten der Person gegenüber ein Lächeln. (Oder schafften auf andere Art und Weise, warmherzig und freundlich zu erscheinen.) In der Kategorie Grinsen-und-Aushalten: Gebt euch nicht dem Gedanken hin, dass ihr einer Geschlechternorm in die Hände spielt … sondern denkt mit aller Kraft an eure großartige Zukunft. 

Zückt die Frauenkarte

Sie bringt euch einen Rabatt von 21 Prozent! Haha. Wobei das direkte Ansprechen des Gender Bias gar nicht mal so dumm ist. Eine meiner Bekannten spazierte in die Gehaltsverhandlung und führe Folgendes aus: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sie mich nach dieser Verhandlung weniger mögen werden. Das wollte ich nur angesprochen haben, bevor ich loslege.“ Diesen kleinen Vortrag brachte sie freundlich, beinahe lässig, rüber. Trotzdem konnte sie die andere Person auf ihre eigene Voreingenommenheit aufmerksam machen. 

Nicht nachgeben!

Bei Frauen ist die Wahrscheinlich größer, dass sie schnell nachgeben. – Tut das bloß nicht. Akzeptiert nicht automatisch das erste Angebot, und sei euch außerdem darüber im Klaren, dass die erste Runde manchmal nicht genügt. Schon klar, ihr wollte das alles schnell hinter euch bringen. Aber es ist nicht wirklich eine Verhandlung, wenn ihr sofort das erstbeste Angebot annehmt. Dankt erst einmal allen Anwesenden für das Gespräch, und bittet dann um ein wenig Bedenkzeit, damit ihr eure nächsten Schritte planen könnt.

Üben, üben, üben

Vor dem Spiegel, mit einem Kumpel, ins iPhone, egal wie. Ihr müsst euren Sieg visualisieren und diese Verhandlung ins Grund und Boden schmeicheln. (…)

Soviel auszugsweise aus dem Kapitel „Her mit dem Geld – Ein Spickzettel fürs Verhandlungsgespräch“ aus dem Buch „Feminist Fight Club“ von Jessica Bennett. Vieles darin deckt sich mit meinen Erfahrungen und Recherchen.

Und wer in meinem Blog ein wenig stöbert, wird schnell feststellen, dass diese Inhalte sich an der einen oder anderen Stelle auch in anderen Artikeln wiederfinden. Nicht zuletzt deshalb wiederhole ich gerne: Das Buch von Jessica Bennett ist eine klare Leseempfehlung. Ich fand sie zudem auch sehr unterhaltsam. Sie konnten durch diese zitierten Passagen sicherlich einen ersten Eindruck gewinnen und haben vielleicht Lust auf die gesamte Lektüre bekommen?  Auch wenn Sie nicht alles unterschreiben würden, sind Sie danach garantiert sensibiliserter in Bezug auf das Thema: „Wie Frauen sich am Arbeitsplatz erfolgreich durchboxen!“

Es sollte nochmal deutlich geworden sein: 80 % Ihres Verhandlungserfolgs sind Vorbereitung – besonders für Frauen! Überlassen Sie Ihre Verhandlungsergebnisse nicht dem Zufall. Überlegen Sie, was Sie durchsetzen wollen oder könnten und bereiten Sie sich strategisch und argumentativ vor. 

ES KÖNNTE MEHR „DRIN“ SEIN?

Möglicherweise sind Sie einfach nur aus Neugierde hier gelandet – oder aber, weil Sie denken: „Es könnte mehr „drin“ sein, ich sollte das Thema nicht verdrängen.“ Dann warten Sie nicht länger – Sie haben nichts zu verschenken! Im Menüpunkt „Vorbereitung“ finden Sie einen einen kostenlosen Leitfaden zur Vorbereitung Ihrer Gehaltsverhandlung. Nutzen Sie diesen und machen Sie sich einfach mal ein paar Notizen in bezug auf Ihre individuelle berufliche Situation. Der Leitfaden enthällt außerdem einen „Schnellkurs“ zum Thema Verhandlungen, in dem Ihnen die Prinzipien des Harvardkonzepts vorgestellt werden.

Machen Sie sich klar, dass Gehaltsverhandlungen die vielleicht wichtigsten Verhandlungen sind, die Sie führen müssen. Wenn Sie unsicher sind in bezug auf Ihre Vorgehensweise, schauen Sie sich einfach mal unter dem Menüpunkt „Service“ an, ob Sie eines der Angebote nutzen wollen.

Vielleicht sehen wir uns Video-Call? Nutzen Sie die Chancen, die jede Verhandlung Ihnen bietet. Viel Erfolg dabei!

(* Hinweis: Affiliate-Link Amazon-Partnerprogramm)

 

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